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Konzeptionsdetails Abfolge der Akte Entgegen der Chronologie beschreibt der Ablauf unseres Stücks einen Kreis. In die Zeit der beginnenden Liebe zu Clara setzen wir den Beginn des Stückes: nach Leipzig. In fünf Akten nähern wir uns Episoden der fünf Lebensstationen Schumanns: Dresden, Düsseldorf, Bonn, Zwickau, nochmals Leipzig. Schumanns Hochzeit mit Clara bildet das Ende der Oper - der Kreis schließt sich. In der Mitte berühren sich die Akte Bonn-Endenich (Einsamkeit/ Tod) und Zwickau (Geburt/ Kindheit). Endenich ist eben nicht das Ende in unserem Stück geht es nach Endenich weiter, bedeutete doch die Kindheit für Schumann auch Tod: den Freitod seiner Lieblingsschwester, den er genauso schwer überwinden konnte, wie den frühen Tod des Vaters. Jeder dieser Akte wird von einem anderen Komponisten vertont Es ist einer unserer Grundgedanken, die Davidsbündler, personifizierte Teilaspekte Schumannschen Denkens und Empfindens, in unserem Stück auftreten zu lassen. Schumann hat ihnen in zahlreichen Rezensionen Namen und Gestalt gegeben. In den Davidsbündlertänzen sind sie musikalisch charakterisiert worden. Halb waren es Pseudonyme für die Mitglieder des Davidbundes, realer Menschen aus dem künstlerischen Umfeld Schumanns, halb waren es Phantasiefiguren, die Schumann in seinen novellenartigen Rezensionen auftreten und über das zu besprechende Werk debattieren ließ. Die Vielschichtigkeit seiner Wahrnehmung, die kategorische Weigerung, sich auf eine Sicht zu beschränken, wo es mehrere gibt, und sein schriftstellerisches Talent ließen ihn diese völlig neuartige Form der Rezension erfinden. Wenn wir uns heute Schumann annähern wollen, warum nicht in der Form, die seinem Ansatz folgt? Nicht einer sondern fünf Komponisten, stellvertretend für eine Palette von Blickwinkeln, werden sich mit Schumann, seiner Musik, seiner Persönlichkeit auseinandersetzen und mit Sicherheit verschiedenes zu Tage fördern. Musik Es geht uns um zeitgenössische Musik, nicht um eine Adaption Schumannscher Musik. In seiner Zeit war Schumann ein Avantgardist wie könnte man ihm eine größere Ehre erweisen, als dass zeitgenössische Komponisten in Kenntnis und Anlehnung an seine Musik oder sich dazu in Beziehung setzend Neues erschaffen? Proben, Regie, Bühne und Aufführungen Ein fünfwöchiges Probenlager für die szenischen Proben mit dem für diesen Anlass zusammengestellten Sängerensemble ist geplant. Anschließend führt eine Tournee durch die Lebensstationen Schumanns. Idealerweise beginnt die Tour in Zwickau vielleicht am Opernhaus (möglich anlässlich der Zwickauer Musiktage im Juni), geht über Leipzig (möglich anlässlich der im September stattfindenden Schumannwoche) nach Dresden und weiter nach Düsseldorf und bis vor Jahresende nach Bonn. Als Orchester stellen wir uns eine mittlere Größe (Sinfonietta-Orchester) vor. Die Opernhäuser hierbei einzubeziehen wäre denkbar, aber es wäre auch sehr vorteilhaft, ein Neue-Musik-Ensemble zu engagieren, das die Tournee begleitet. Das hätte große qualitative Vorteile, ist aber möglicherweise finanziell nicht zu bewerkstelligen. Es soll zwei Bühnenbildner geben, die für Bühne und Kostüm verantwortlich zeichnen. Der Name Jo Schramm ist hier im Gespräch. Als Bühnenraum würden wir einen freien Raum gegenüber der Guckkastenbühne vorziehen. Im freien Raum könnte man die Zuschauer auf Sitz-Inseln platzieren, so dass unterschiedliche Blickwinkel entstehen. Die Inszenierungen müssten aber so flexibel sein, dass beides möglich ist. Libretto Robert Schumann hatte einen ganz eigenen Sprachstil. So entstand die Idee, sollte es sich als machbar erweisen, als Texte ausschließlich Schumanntexte zu verwenden, die dann in einen neuen Zusammenhang gesetzt werden. Für die fünf Komponisten hätte dies den Vorteil, mit Textmaterial zu arbeiten, welches direkt aus Schumanns Kopf und Feder stammt. Klaus Angermann, Chefdramaturg am Staatstheater Nürnberg, wird als Librettist und Dramaturg das Stück entwerfen und betreuen. Fünf Akte Es besteht die Schwierigkeit eine Balance zu finden: einerseits muss jeder Akt seine Eigenständigkeit bewahren, andererseits muss es innere Zusammenhänge geben, damit das Stück nicht zerfällt. Es werden sich Motive, Bilder, Symbole, die in allen Akten variiert auftauchen, durch das Stück ziehen. Sichtweise auf Schumann „An mir ist indeß nichts zu haben; ich spreche fast gar nicht, Abends mehr, u. am Clavier das Meiste“ Schumann an Zuccalmaglio April 1937 Schumann konnte nicht schwimmen Wo befand sich Schumann wirklich, wenn er sich mit Leuten traf und zur Konversation beharrlich schwieg? Schweigsamkeit als eine Art Maskerade, romantische Manieriertheit? Sollte ein Sprachfehler vertuscht werden? Komponierte er in Gedanken, träumte, meditierte er? War es Ausdruck jener Konsequenz mit der er sich der Kunst widmete und verbarg vor den Trivialitäten einer banal-irdischen Welt? Robert Schumann hat viel geschrieben: von kaum einem Komponisten existieren so viele Selbstzeugnisse, wie von Schumann. Es ist Sache der Musikwissenschaft, Schumanns Persönlichkeit im Zusammenhang mit seiner Musik psychologisch zu betrachten und sein Tun zu bewerten. Wir hingegen haben uns entschlossen, Schumanns Innenwelt auf die Spur zu kommen, jenen Bildern, Erinnerungen, Vorahnungen, Symbolen und Schwingungen, Klängen, Seelenverwandtschaften, Befürchtungen, Träumen, die sein Leben bestimmten. In diesem Innen verliert “die tickende Zeit³, bei deren Vorstellung Schumann existenzielle Angst befiel, ihre Macht. Hier war seine eigentliche Heimat, hier fand er seine Inspiration, hörte er Engel musizieren. Wo es bei Wagner um das rauschhafte, über das Individuelle hinausgehende Einswerden mit archetypischen Empfindungen geht, erreicht Schumanns Musik den Menschen, indem er individuelle Seelenzustände seismografisch auslotet, indem er das Sensible zum Schwingen bringt. Schumann arbeitete emsig, formte, gestaltete, er verstand es, sich zu vermarkten, aber sein Lebensmittelpunkt, die Quelle seiner Erfindung, lag in jener anderen Welt. Eine Welt, die die Grenzen zwischen ratio und Imagination, zwischen Subjekt und Objekt verschwimmen lässt. Sein Gang ins Innere vollzog sich kontinuierlich, seine zunehmende Kurzsichtigkeit verwehrte ihm darüber hinaus nach und nach den Blick nach außen. Die Einlieferung in die Nervenheilanstalt Endenich war die letzte Station, hier nun gänzlich von Menschen und Alltag abgeschottet. Der romantisierenden Nachwelt tat er hiermit einen großen Gefallen, konnte sie Robert Schumann doch das Bild des einsamen, unverstandenen, darüber wahnsinnig gewordenen Genies aufdrücken, das ihm noch immer anhaftet. Wir wollen dahinter schauen. |